Aktuelle Sonderausstellung
Das Internierungs- und Entlassungslager Biessenhofen 1945 und Zwangsarbeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs standen die Alliierten vor der Herausforderung, Millionen deutscher Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft zu entlassen. Die ehemaligen Soldaten benötigten offizielle Entlassungsscheine, da diese Voraussetzung für eine neue Anstellung waren.
Aufgrund seiner günstigen infrastrukturellen Lage wählte die US-Armee Biessenhofen als geeigneten Platz für ein Internierungs- und Entlassungslager aus. Im Mai 1945 wurde links und rechts vom Ortsausgang Richtung Marktoberdorf das "Entlassungslager Süd" eingerichtet.
Hier fanden viele Wehrmachtsangehörige nach dem Krieg einen ersten Schritt zurück in ein ziviles Leben – einen Neuanfang, der oft von Entbehrung, Unsicherheit und Hoffnung geprägt war.

Aus Anlass der Vorstellung des neuen Buches von Heinrich Maul über das Internierungs- und Entlassungslager Biessenhofen zeigen wir nochmals die Ausstellung aus dem Jahr 2015, die wir nun mit Bildmaterial des amerikanischen Militärarztes Charles H. Foertmeyer ergänzen konnten.
Die Ausstellung gibt einen bewegenden Einblick in die Situation vieler deutscher Kriegsgefangener nach Kriegsende – nach einem Krieg, der unermessliches Leid über Millionen von Menschen gebracht hat.
Zwangsarbeiter - Bundesarchiv, Bild 152-26-20
Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich dem Thema der Millionen Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Im Deutschen Reich arbeiteten bis zu 13 Millionen zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge unter oft unmenschlichen Bedingungen in Landwirtschaft, Industrie und Rüstungsbetrieben. Die Zwangsarbeit war ein zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft und beruhte auf Ausbeutung, rassistischer Ideologie und staatlicher Gewalt.
Das Arbeits- und Kriegsgefangenenlager Stalag VII B in Memmingen spielte dabei eine wichtige Rolle für die Region Bayerisch-Schwaben.
Italienische Zwangsarbeiter im Stalag VII B, darunter Camillo Colpo
Ein Beispiel für das Schicksal vieler Betroffener ist der Italiener Camillo Colpo. Nach dem Waffenstillstand Italiens 1943 wurde er als „Italienischer Militärinternierter“ nach Deutschland deportiert. Nach seiner Internierung im Stalag VII B musste er bis Kriegsende als Zwangsarbeiter in Biessenhofen arbeiten. Jahrzehnte später besuchte seine Familie die ehemaligen Wirkungsorte im Allgäu, um die Geschichte ihres Vaters und Großvaters nachzuverfolgen.


